Autoversicherung: Was die Regionalklassen bedeuten

Mit den Regionalklassen wird der Versicherungsbeitrag den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Wir erklären, wie sie ermittelt werden.

 

14.03.2018

Die Rechnung für die Kfz-Versicherung flattert ins Haus – und manch einer wundert sich, warum er mehr als im vorherigen Jahr bezahlen muss, obwohl er doch keinen Unfall verursacht hat. Bevor man wutentbrannt zum Telefonhörer greift und den Versicherungsvertreter zur Rede stellt, empfiehlt sich ein Blick auf die sogenannte Regionalklassen-Einstufung.

Die Regionalklassen sind für die Autoversicherer ein wichtiges Kriterium, um den Versicherungsbeitrag den örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Wie diese Regionalklassen ermittelt werden – wir erklären es Ihnen.

Die Regionalklassen bestimmen die Höhe von Kfz-Haftpflicht-, Teilkasko- sowie Vollkaskoversicherung, sie werden einmal im Jahr vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) festgelegt. In Deutschland gibt es 413 solcher Regionalklassen, analog zur Zahl der Zulassungsbezirke.

So wird die Höhe einer Regionalklasse ermittelt:

Wie der Name andeutet, spiegeln die Regionalklassen die Schadens- und Unfallbilanz einer bestimmten Region wider. Sie sind damit eine wichtige Bemessungsgrundlage für die Versicherungen, um die Höhe der Jahresprämie festzulegen.

Das Prinzip ist simpel: Wurden in einer Region während eines Jahres weniger Schäden gemeldet, werden die dort zugelassenen Fahrzeuge in eine niedrigere Regionalklasse eingestuft. Umgekehrt gilt: Mussten die Versicherungen überdurchschnittlich viele Schäden regulieren, steigen die Beiträge. Je niedriger die Einstufung der Regionalklasse, desto günstiger die Versicherungsbeträge.

Unterschiedliche Einstufungen:

Die Regionalklassen werden sowohl zur Beitragsbemessung der Haftpflicht als auch der Kaskoversicherungen angewendet. Für die Haftpflicht gibt es zwölf Regionalklassen, für die Teilkaskoversicherung sind es 16 und für die Vollkasko neun Klassen.

Bei der Haftpflichtversicherung ist die Fahrweise der Autofahrer in der jeweiligen Region entscheidend. Kracht es häufig und sind die entstandenen Schäden hoch, wandert die Einstufung nach oben. Bei den Kaskoversicherungen spielen auch Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden sowie die Zahl der Wildunfälle eine Rolle. Auch wenn die Regionalklasseneinstufung für die Versicherer unverbindlich ist, halten sich die meisten Unternehmen daran

Wo zahlt man am meisten?

Grob gesagt gilt: Im Norden sind die Einstufungen der Regionalklassen günstiger als im Süden. Über besonders niedrige Einstufungen freuen sich die Autofahrer in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die bundesweit beste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflichtversicherung hat der Zulassungsbezirk Elbe-Elster in Brandenburg. Hier bewegte sich der aktuelle Indexwert fast 30 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Je mehr Menschen in einem Zulassungsbezirk vorsichtig und rücksichtsvoll fahren, desto günstiger wird die Versicherung. Das Gegenstück ist Offenbach am Main mit der schlechtesten Schadenbilanz. Dort lag der Indexwert knapp 34 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. In Teilen Bayerns sind die Regionalklassen ebenfalls vergleichsweise hoch, ebenso in den Großstädten. „Spitzenreiter“ bei den Städten ist Berlin, die günstigste aller Landeshauptstädte ist Schwerin.

So berechnet sich der Versicherungsbeitrag:

Die Höhe des Versicherungsbeitrags hängt nicht nur von der Regionalklasse und somit dem Wohnsitz des Fahrzeughalters ab, sondern auch von einigen weiteren Faktoren. Dazu zählen das Alter des Halters, wie viele Personen das Fahrzeug nutzen, das Alter des Autos beim Kauf, die Jahreskilometerleistung und die Typenklasse des Autos – also zum Beispiel, ob es sich um einen Kleinwagen oder ein SUV handelt. Für größere Fahrzeuge ist der Versicherungsbeitrag höher.

Bei den Kaskoversicherungen spielt die Höhe der Selbstbeteiligung eine Rolle – und natürlich, wie lange man unfallfrei gefahren ist, was sich in der Schadenfreiheitsklasse widerspiegelt. Durch weitere Faktoren oder Sonderpolicen lässt sich die Höhe des Versicherungsbeitrags zusätzlich senken – zum Beispiel erhalten manche Berufsgruppen wie Beamte spezielle Tarife. Was die Versicherung ebenfalls günstiger macht: Das Auto parkt in einer Garage oder man verpflichtet sich, im Schadensfall Reparaturen von Partnerwerkstätten des Versicherungsunternehmens durchführen zu lassen.

Für wen ändert sich 2018 etwas?

In 67 der 413 deutschen Zulassungsbezirke verbessern sich die Regionalklassen, 41 Bezirke werden in ungünstigere Regionalklassen eingestuft. Das bedeutet: Etwa 5,5, Millionen Autohalter können sich über geringere Versicherungsbeiträge freuen, während circa 3,6 Millionen Halter mehr zahlen müssen.

Für die große Mehrzahl der Autohalter, nämlich rund 31 Millionen Haftpflichtversicherte in 305 Zulassungsbezirken, bleibt die Regionalklasse unverändert. Bei den Kaskoversicherungen halten sich die veränderten Einstufungen in etwa die Waage: 2,8 Millionen Kaskoversicherte rutschen in günstigere, rund 2,6 Millionen in ungünstigere Regionalklassen. Für die restlichen knapp 29 Millionen Voll- oder Teilkaskoversicherten bleibt alles beim Alten.